Hintergrundinformationen zu Dichtungskennwerten und Berechnungsnormen

Dichtverbindungen bestehen grundsätzlich aus den Komponenten Flansch, Schraube und Dichtung. Wie bei jedem technischen Element strebt man eine Berechnungsmöglichkeit der kompletten Dichtverbindung an. Die Berechnung kann sich dabei auf rein mechanische Aspekte (Festigkeit) oder auf Fragen der Dichtheit (Leckageklassen) beziehen. Und selbstverständlich gibt es mehrere Möglichkeiten, eine solche Berechnung durchzuführen.

Die Berechnungsverfahren sind durch Normen geregelt. Weitere Normen legen die Kennwerte oder deren Ermittlung für das entsprechende Berechnungsverfahren fest. Daraus ergibt sich die Tatsache, dass Berechnungskennwerte aus verschiedenen Normen nicht notwendigerweise übertragbar sind. Die Aussagefähigkeit von einzelnen Kennwerten für den praktischen Einsatz ist in Abhängigkeit des jeweiligen Kennwerts sorgfältig zu prüfen und zu bewerten.

Weiterhin muss man wissen, dass der Idealfall – also eine Berechnungsnorm mit zugehöriger Norm zur Ermittlung der Kennwerte – nicht immer existiert hat. Aus diesem Grund soll in dieser Erläuterung der Blick nach vorne gerichtet werden, anstatt die komplette Historie zu erläutern.

Bislang wurden Dichtungskennwerte nach der DIN 28090-1 ermittelt. Diese Kennwerte waren für die Berechnung nach diversen Revisionen bzw. Entwürfen oder Vornormen der DIN 2505 gedacht. Zukünftig kommt als Berechnungsnorm die DIN EN 1591 (10/2001) zur Anwendung, da mit diesem Verfahren alle Aspekte einer Dichtverbindung betrachtet werden können. Die notwendigen Kennwerte werden nach DIN EN 13555 (02/2005) ermittelt. Mit dem Erscheinen der DIN EN 13555 wurde die nationale Norm DIN 28090-1 zurückgezogen.

Die aktuellen Kennwerte nach DIN EN 13555 können aus dieser verifizierten Datenbank für viele gängige Dichtungswerkstoffe abgerufen werden.

Die nachfolgende Tabelle erläutert die Bedeutung der Kennwerte:

KennwertBeschreibung
QA [MPa]Flächenpressung der Dichtung bei Montage
Qmin(L) [MPa] Mindestflächenpressung im Einbauzustand zur Erreichung einer bestimmten Leckageklasse L
QSmin(L) [MPa]Mindestflächenpressung im Betriebszustand zur Einhaltung einer bestimmten Leckageklasse L
QSmax(T) [MPa]Maximale Flächenpressung (bei einer bestimmten Temperatur)
PQR [-]Kriechrelaxationsfaktor
EG [MPa]Ersatz-E-Modul der Dichtung
aG[K-1] axialer Temperaturausdehnungskoeffizient der Dichtung